Diskurs über Sichtbarkeiten Kopf, Hand, Monitor, Paraphrase 'Las Meninas'
Sequenz Polaroids auf Cibacopy | artist's book 1991/92
Die Fotografie ist ein „Lichtbild“, wie der ursprüngliche und genauere Name des neuen Mediums im 19. Jahrhundert lautete. Die neue Repräsentationsform, die das Medium einführte, ist Gegenstand dieser Arbeit: „Lichtbild“ heißt zugleich auch „Durchleuchtung“, „Ablichtung“. Und über diese beiden Phänomene – das Röntgenbild und das Polizeiphoto – entwickelte sich über die Fotografie auch die neue Selbstwahrnehmung des Subjekts, die jene des 20. Jahrhunderts ist.
Fotografie heute ist immer eine Art von Archäologie. Weil ein bewußtes Arbeiten mit der Fotografie immer auch bedeutet, über diese ursprünglichen neuen Abbildungsformen nachzudenken. Über das Paradigma des „Lichtbildes“ verlagert Maria Theresia Litschauer hier die Frage aber zum Videobild, indem sie die tiefe Verwandtschaft von Foto und Video in beiden genannten Momenten – Durchleuchtung des Körpers und mechanisch perfekte Identifikation jeder Person – sichtbar macht.
Ein drittes verbindendes Moment ist das eigentliche Thema der Arbeit: die Kontrolle. Foto und Video sind die zentralen Repräsentationsformen einer Gesellschaft, die nicht mehr überall Verbote aufstellt, sondern Kameras und Paßfotoautomaten, einer „Gesellschaft der Kontrolle“, nicht mehr des Verbotes. Dafür hat Maria Theresia Litschauer eine starke visuelle Metapher kreiert.
Robert Fleck 1992