| gunskirchen kz-aussenlager mauthausen |
Fotoserie 1-10 (c-prints 120x90cm) aus der Werkgruppe forschungsbasierter Kunst im Kontext Nationalsozialismus |
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| gunskirchen_kz-aussenlager mauthausen |
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Die 10teilige Auswahl scheinbar unverfänglicher Waldbilder, an deren referentieller Abfolge baulicher Relikte sich der Ort des KZ-Aussenlagers manifestiert, lässt Vegetation und Bodenstrukturen im Licht- und Schattenspiel trügerisch erscheinen, erst recht angesichts aus dem Boden apernder Reste von Bekleidung und in Kenntnis möglicher ungeborgen im Waldboden liegender Toter, und beklemmend als Einschreibung nationalsozialistischer Vernichtungspolitik lesen, der in der Endphase des Krieges noch tausende jüdische Frauen, Männer und Kinder zum Opfer fielen – nach Todesmärschen von ihren Einsatzorten als Zwangsarbeiter:innen in das KZ Mauthausen und zuletzt in dessen Aussenlager Gunskirchen, von SS-Wachmannschaften viele auf den Marschrouten erschlagen und erschossen sowie unter katastrophalen Bedingungen zusammengepfercht im völlig unzureichenden Barackenlager und durch Unterernährung, sanitäre Missstände und dadurch ausbrechenden Seuchen elend zugrunde gerichtet. Als eines der über 40 Aussenlager des KZ Mauthausen war das im Forst Hochholz mit 11 Baracken geplante Lager Ende 1944 erst im Aufbau und diente letztlich unvollendet als Sammellager vor allem für Tausende von jüdischen Häftlingen und ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter:innen, die vor der Befreiung durch die sowjetische Armee im Jänner 1945 aus Auschwitz bzw. im März/April vom Bau des Südostwalls sowie aus Einsatzorten in Niederösterreich unter brutaler SS-Bewachung in Marschkolonnen mit dem Ziel Mauthausen ‘evakuiert’ wurden. Im provisorischen Zeltlager für nicht arbeitsfähige jüdische Internierte waren Überlebende der Todesmärsche wegen extremer Überbelegung bald zur Lagerung im Freien genötigt und neben Hunger und Kälte katastrophaler Seuchengefahr ausgesetzt. Aus taktischen Gründen angesichts des allseitigen Vormarschs alliierter Armeen befahl die KZ-Führung die Verlegung der jüdischen Häftlinge, die zwischen 16. und 28. April 1945 in 3 Etappen in das Aussenlager Gunskirchen erfolgte. Erneut fielen die in körperlich schlechtem Zustand und nicht mehr fähig im mehrtägigen Marsch mitzuhalten der Exekution durch die SS-Bewacher zum Opfer. Zahllose Tatorte als Nicht-Orte markieren die 55 km lange Strecke, entlang der die vielen verschiedenen und ermordeten Jüdinnen und Juden verscharrt und eventuell später exhumiert sowie in Massengräbern an abseitigen Orten, mancherorts außerhalb des Friedhofs, eingegraben wurden. Die bis Ende April 1945 etwa 15000 Überlebenden der Todesmärsche wurden von der Lager-SS in unzureichende Baracken gepfercht; entkräftet verendeten täglich Hunderte an Krankheit und halbwahnsinnig vor Hunger; ihre Leichen mussten Mitgefangene in von ihnen ausgehobene Massengräber, in die sie selbst hinein erschossen wurden, schaffen. Vollends eskaliert wurde die Verelendung, als infolge katastrophaler sanitärer Missstände Typhus und Ruhr ausbrachen und tausende Tote forderten, die zu beerdigen Gefangene nicht mehr in der Lage waren. Ihre Leichen lagen in den Baracken und zuhauf unbeerdigt und verwesend im Wald als schließlich am 4./5. Mai 1945 die 71st Infantery Division als Befreier das von Aufklärern der US Army Air Force am 20. April entdeckte Lager im Wald erreichte. Von etwa 5500 Überlebenden sollten, von IRK und in Lazaretten betreut, in den folgenden Wochen noch mehr als 1000 sterben. ©mtl |