de-konstruktion : kontextualisierung

Der Ruf nach "Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus in Österreich" ist eine künstlerische Herausforderung, die zunächst nach Klärung der Aufgabenstellung verlangt. Abgesehen von gesetzlicher Regelung des Denkmalschutzes, nach der sich die Transformation eines Denkmals verbietet, erscheint die Frage nach einem Monument einem traditionellen, objektgebundenen Verständnis geschuldet, dem sich eine zeitgenössische Kunstpraxis versagt.
Vorgeschlagen wird eine stadträumliche Intervention, die dekonstruktiv auf das Denkmal referiert und dessen Kontextualisierung vermittelt wie zugleich ein markantes Zeichen in das dem historistischen Ringstraßenparcour eingeschriebene Platzambiente setzt.
Der Entwurf zeigt eine minimalistische Installation aus Baugerüstkomponenten, die sich in ihrer formalen und materialsprachlichen Distinktion in den Ort einschreibt und dessen Ästhetik radikal stört.
Metallstangen, zu einer rhizomatischen Struktur montiert, die in ansteigender Schleife dynamisch den Platzraum durchdringen, queren und kreuzen, je nach Blickwinkel anders, mehrfach die Figur des Denkmals und streichen so dessen gedenkpolitische Semantik durch. Durchgestrichen wird der Dargestellte in Frage gestellt und in weiterer Konsequenz die Benennung des auf ihn lautenden Platzes als bedenklich ausgesetzt. Anders gesagt, das technisch-konstruktive Verfahren der Gerüstinstallation verweist auf eine dekonstruktive Praxis, deren formalästhetisch-zeichensprachliche Lesbarkeit durch eine vielschichtige Kontextualisierung des Referenzsubjekts Lueger erweitert wird.
Differenzierte Darstellungen zeitgeschichtlicher, kunsthistorischer, etc. Forschung können unter Verwendung verschiedener Medien zu lesen gegeben werden; z. B. wiederum aus dem Baustellenbereich, gedruckt auf Netzmaterial, das zwischen Gerüststangen verspannt wird, an denen aber auch und variabel andere Displays, Lautsprecher, etc. befestigt werden können, um weitere komplexe Verweisungszusammenhänge zu inszenieren.
Neben permanenten, auf die Geschichte referierenden Rezeptionsfeldern können wechselnde und ergänzende Botschaften, Manifestationen, Statements, etc. im Kontext eines sich fortwährend ereignenden Widerstands gegen Antisemitismus und Rassismus in die Gerüststruktur integriert werden, wodurch das Kunstwerk partiell einem dauernden Wandel unterliegt, der den Platz als Ort politisch-zivilgesellschaftlicher Vigilanz und Widerstandskultur etabliert. mtl 2010